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Hörbuch zu „Der Tod kann mich nicht mehr überraschen“ bei Audible

Endlich ist es soweit: Das Hörbuch zu meinem Roman „Der Tod kann mich nicht mehr überraschen“ ist auf Audible erhältlich.

Der Tod kann mich nicht mehr überraschen Hörbuch

Außerdem gibt es einen Hörbuchtrailer auf YouTube.

Die wunderbare Stimme gehört Matthias Lühn. Produziert wurde das Hörbuch in der Hörbuchmanufaktur Berlin.

Inhaltsangabe:

Eine schlechte Diagnose hat Marvin Abel aus seinem erfolgreichen Leben gerissen. Nun lässt er ihn nicht mehr los, der Gedanke an den Tod, den er bisher so erfolgreich verdrängte. Wäre er doch niemals wegen dieser Kopfschmerzen zum Arzt gegangen, dann hätte sein Leben so rosarot weitergehen können. Oder?

Bepackt mit neuer Unterwäsche und einer viel zu prall gefüllten Reisetasche, begibt er sich ins Krankenhaus, um sein Leben zu retten. Auf seinem Zimmer knipst er als Erstes ein Handyfoto von dem Schnarchsack im Nebenbett – und eins von sich selbst, zur Erinnerung an seine noch immer dichte Haarpracht vor der Chemotherapie. Marvin will kämpfen. Schließlich hat er das Leben fest im Griff und bisher noch keinen Kampf verloren.

Bald steht der erste Besucher vor Marvins Bett: Basti, sein kleiner Bruder. Der bringt nicht nur einen Supermarkt-Blumenstrauß mit, sondern auch eine schockierende Bitte. Und er bleibt nicht der Einzige, der Marvin haarsträubende Überraschungen bereitet. Marvin traut seinem eigenen Leben nicht mehr – und möglicherweise ist er auch neidisch auf die Enten im Park. Wo ist seine heile Welt geblieben? War es am Ende nichts weiter als ein Traum von Gestern und Morgen? Und wie, verdammt noch mal, lässt man das los?

©2016 Luzifer Verlag (P)2016 Hörbuchmanufaktur Berlin

Geist allein macht auch nicht glücklich

An manchen Tagen könnte ich auf den Körper gut verzichten. Da würde der Geist mir völlig reichen. Dann lege ich es ab, das lästige Fleisch. Habe genügend Wolle im Kopf, damit ich mir was zusammenspinnen kann, um mir was Schönes daraus zu stricken. In dem ich mich ausruhe dann. Muss nur aufpassen dass ich mich nicht verirr, die Fäden sich nicht verknoten, die Gedanken nicht zerfransen … ich mich verlier.
Manchmal muss ich ihn eben doch wieder neu füttern, den hungrigen Geist. Da käme mir mein Körper wieder sehr gelegen.

Gestern am Meer

Ich sitze am Strand, den Geruch warmer Algen und ausgedünsteter Sonnenmilch in der Nase. Vor mir das Plätschern nacheinander brechender Wellen in der friedlichen Brandung – stetig, sich um nichts kümmernd.

Ein skelettierter Fischkopf liegt im nassen Sand. Der Schaum des Wassers fließt durch ihn hindurch und wiegt ihn sanft hin und her. Die Wellen brachten ihn mit.

Vorgestern lag hier der aufgeblähte Leib eines Toten. Ein Kellner der vor Wochen gesunkenen Fähre. Einer der beiden Vermissten noch, nach denen sie die Suche bereits aufgegeben hatten. Er lag mit dem Gesicht im Sand und seine Hände waren ein bisschen angefressen. Von den Fischen, sagen sie.

Die Möwen hatten ihn  zuerst entdeckt, bevor die Leute aus dem Dorf ihn bargen. Als sie ihn umdrehten, sollen Krebse aus seiner Hose gekrabbelt sein.

Mein Vater treibt noch immer irgendwo da draußen – in seiner Wanderhose und der blauen Wolfskin Jacke. Sie suchen ja nicht mehr. Es sollte die Reise seines Lebens werden, die er sich so lange gewünscht hatte und das Unglück geschah auf dem Hinweg.

Vor mir plätschern die Wellen, die jetzt den Fischkopf wieder mit sich nehmen. Das Meer interessierts nicht.

Heike Vullriede (C) 2013 auf Fehmarn

Es ist egal, wo du wohnst

Ein Bussard kreist zwischen den riesigen Schornsteinen einer stillgelegten Fabrik. Ganz ruhig zieht er seine Kreise, damit ihm nicht die Ratte entgeht, die sich zwischen dem weggeworfenen Fastfoodmüll ein Festmahl sucht. Irgendwo zwischen grauen Häuserblöcken und Schalkefahnen liegt der Bahnhof und irgendwo dahinter Julias Zuhause. Ein Haus mit neun Mietparteien in einer Straße ohne Bäume und ohne Spielplatz. Julia ist es egal. Sie findet es gemütlich.

Im Urlaub mit ihren Eltern wanderte sie an kultivierten Feldern und an gepflegten Waldrändern entlang. Julia kam es vor, wie reinste Wildnis. Sie fühlte sich wie eine Indianerin. Ihr Spazierstock war ein Speer und ihre Thermoskanne ein Büffellederwassersack. Abenteuerlich!

Doch jetzt freut sie sich auf Zuhause. Je höher die Häuser und grauer die Straßen, umso mehr hüpft ihr Herz! Denn hier hat sie Freunde.

Pampasgras im Gegenlicht

Pampasgras im Gegenlicht. Nur ein paar Fetzen tiefliegender Sonne schmeicheln meinen Augen noch. Herbst schon. Nicht überraschend, aber unerwartet schnell. Gedankenversunken harke ich welke Blätter vom Rasen. Klee hat sich eingeschlichen und Moos. Das Gras wird alt. Genau, wie ich. Winterkälte mag ich nicht. Ich bin noch nicht so weit, kalte Füße zu akzeptieren. Gleichmäßig verteile ich Dünger mit Eisen mit dem Handschuh. Anti-Aging für den Rasen! Und ich? Ich gehe ins Haus und trinke eine Tasse Tee mit Vitamin C. Man muss sich vorbereiten.

Kopf unter Wasser

Kopf unter Wasser
Wie wild soll ich hochzappeln?
Arme und Beine sind sterbensmüde
Meine Augen erblicken die Tiefe
verwaschen und trüb, wie Suppe
Wo sind die Fische hin?
Wie weich ist ein algenbedeckter Grund?
In den Ohren verschwimmen die Rufe der Menschen da oben
Ich atme Wasser statt Luft
Es macht mich seltsam satt
Behutsam umfängt Kühle meine Haut
Nur Treibenlassen und Absinken
So schlafe ich
langsam schwebend
getragen von sanft treibenden Wogen
im Fluss des Lebens
als Körper ohne Gedanken
unbekümmert dahin

Sehnsucht

Da ist sie wieder
Sie hat mich nicht vergessen
Nur kurz beiseite gelegt

Und ich fühlte mich so geerdet
auf den festen Orten
unter den wohlplatzierten Wörtern
und verbundenen Netzen
Hier bin ich, hier bleib ich

Bis dieses Lied im Radio erklang
dieser Mandelbaum mir seine Knospen entgegenspreizte
der Wind mir Meeresrauschen und Möwengeschrei vormachte
Da hat sie mich wiederentdeckt

Blicke an dir vorbei
Weiß gar nicht, wohin
Nur weit weg

Hab mir mein Leben gedacht

Hab mir mein Leben gedacht
wie seicht dahinfließendes Wasser
mit ein wenig Geplätscher am Uferrand
und ein bisschen Wellenspiel mittendrin
Doch ich hab die Wetter vergessen!
Der Wind schäumte mein Leben auf
peitschte es über Böschungen
und trieb es durch tiefe dunkle Täler
Es stürzte in Fluten über zerklüftete Klippen
breitete sich aus, in weiten Strömen
wo es sich endlich beruhigte
bis es irgendwo fast ganz versickerte
Bald wird der letzte Tropfen in der Mutter Erde verschwinden
Es war spannender als gedacht – auf jeden Fall!

Heike Vullriede, 2011